Debatten 


100 JAHRE SCHÜSSE VON SARAJEVO: WO STEHEN EUROPA UND DER BALKAN HEUTE?

 

Die Ermordung des Thronfolgers des Hauses Habsburg-Lothringen steht für den Beginn des ersten Weltenkrieges der Menschheitsgeschichte. Der Balkan war freilich bereits vor dem 16. Juni 1914 ein nervöser Krisenherd, der Europa beschäftigt hielt. Südosteuropa und die Familie Habsburg waren somit 2 Facetten, die 1914 für das Schicksal Europas bestimmend wurden. 100 Jahre danach stellten wir diese 2 Aspekte in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit eines Palaistalks der am 13. August 2014 stattfand: ein international renommierter Südosteuropaexperte und ein Nachfahre des vormals regierenden Hauses Habsburg-Lothringen diskutierten vor 70 geladenen Gästen diese und andere spannende Fragen: Hätten die Reformideen von Erzherzog Franz-Ferdinand den Krieg vermeiden und die Monarchie retten können? Wie steht es um die EU-ropäische Perspektive des Balkans? Wie unterscheiden sich die zahlreichen Krisenherde des Jahres 2014 von jenen des Jahres 1914? „Schlafwandelt" Europa wieder oder sind die Parallelen zwischen 2014 und 1914 nur scheinbarer Natur? Danach lauschten wir Jutta Wieser, die die Diskussion auf die lokale Ebene brachte, indem sie ergreifend aus Briefen Tiroler Soldaten vorlas.

 

 

LINKS

 

  • Fragt man Ulrich von Habsburg-Lothringen, ob man als ein Habsburg die Geschichte in- und auswendig kennen müsse erwidert er flugs: „Wir haben Geschichte gemacht, die anderen haben sie lernen müssen". Dennoch ist er geschichtsbewusst und in der gegenwärtigen Politik engagiert. Als grüner Gemeinderat ebenso als Kämpfer für Wahlgerechtigkeit. Er kämpfte erfolgreich gegen das verfassungsrechtliche Verbot als Angehöriger eines vormals regierenden Hauses in Österreich Bundespräsident zu werden (ein Aspekt des so genannten Adelsaufhebungsgesetzes war sogar einmal vor dem EU-Gericht relevant, und zwar im Urteil Wittgenstein, siehe dazu einen Kommentar hier). Zu seiner Kandidatur für die Wahlen zum Bundespräsidenten im Jahre 2010 findet sich hier ein Video-Porträt. Eine Biographie zu seiner Person („Ulrich Habsburg-Lothringen: Aristokrat, Demokrat, Grüner" von Janko Ferk) erschien 2011 und ist hier bestellbar. Bereits im Jahre 2001 besuchte der Chef des Hauses Habsburg-Lothrigen, Otto von Habsburg, das Palais - noch heute trägt der MIDAS Journalistenpreis seinen Namen.

 

  • Joseph Marko ist Dekan der juristischen Fakultät an der Universität Graz. Als Minderheitenexperte und Konfliktforscher genießt er internationale Reputation. In Südtirol leitet er seit 15 Jahren das renommierte Institut für Minderheitenrecht. Südosteuropa kennt er nicht nur aus seiner akademischen Tätigkeit, sondern aus der Praxis: Er war jahrelang Vizepräsident des Verfassungsgerichts von Bosnien und Herzegowina und 2007 auch Politischer Berater des EU Sonderbeauftragten für Bosnien und Herzegowina. Mehr Information zu ihm findet sich hier.

 

  • Jutta Wieser ist Autorin des Hörbuchs „Der Heilige Krieg" welches Teil des Buches „Kämpfen für das Heiligste: Tiroler Stimmen zum Ersten Weltkrieg" ist. Das Buch beschreibt die Entwicklung der Stimmung in Tirol von der anfänglichen Kriegsbegeisterung bis zum erbärmlichen Kriegsleid unter besonderer Beleuchtung der Rolle der Kirche (mehr Informationen unter diesem link). Die hochprofessionelle Vortragsweise hat Jutta Wieser in 16 Jahren als freie Moderatorin, Sprecherin und Redakteurin erworben. Mit ihrem Mann Martin betreibt sie ein Tonstudio, die „Tonstube".